„Mama, es juckt und brennt“ – Scheidenpilz bei Kindern

Beim Thema Scheidenpilz denken die meisten in erster Linie an erwachsene Frauen, denn Scheidenpilz zählt zu den häufigsten gynäkologischen Erkrankungen überhaupt. Dass Kinder genauso von Pilzinfektionen der Scheide betroffen sein können, ist vielen nicht bewusst. Ja, Scheidenpilz kommt auch bei Kindern vor, jedoch viel seltener als bei Erwachsenen. Vor allem Säuglinge und Kleinkinder sowie Mädchen in der Vorpubertät haben ein erhöhtes Risiko eine Scheidenpilzinfektion zu entwickeln. Wenn Neugeborene Scheidenpilzsymptome zeigen, haben sie sich mit hoher Wahrscheinlichkeit bei der Geburt mit den Pilzerregern infiziert. Denn über 30% aller schwangeren Frauen tragen den Hefepilz im Körper, aber nur bei einem sehr geringen Teil prägt sich die Infektion voll aus. Bei Kleinkindern können Pilze aus dem Darm über die Windel in die Scheide gelangen (Windeldermatitis). In der Vorpubertät, also etwa ab dem 10. Lebensjahr, setzt bei Mädchen die Produktion eigener Geschlechtshormone (Östrogene) ein. Durch diese hormonellen Veränderungen kann das Gleichgewicht der Scheidenflora beeinträchtigt werden, wodurch ebenfalls ein pilzbegünstigendes Klima entstehen kann.

Wie kann ich meinem Kind das Thema Scheidenpilz erklären?

Wenn Ihre Tochter alt genug ist, um die Symptome einer Pilzinfektion bewusst wahrzunehmen, wird sie fragen, woher diese Veränderungen kommen und was mit ihr los ist. Kinder wissen schon sehr früh, dass der Intimbereich etwas „Privates“ ist und scheuen sich möglicherweise darüber zu sprechen. Daher ist es umso wichtiger, dass Sie möglichst offen und unverkrampft an dieses Thema herangehen. Die folgenden Informationen können beim Gespräch über Scheidenpilz hilfreich sein.

1. Woher kommt Scheidenpilz?

Auslöser einer Pilzinfektion der Scheide sind winzige Hefepilze, die entfernt verwandt mit der Bäckerhefe sind. Auch viele gesunde Menschen tragen diese Pilze im Körper, aber im Normalfall kann der menschliche Organismus ihr Wachstum kontrollieren. Wenn der Körper aber aus dem natürlichen Gleichgewicht gerät, können sich die Hefepilze mitunter stark vermehren und eine Infektion verursachen. Ursachen dafür können beispielsweise hormonelle Veränderungen während der Pubertät oder eine nach längerer Antibiotika-Therapie geschwächte Immunabwehr sein.

2. Für Scheidenpilz muss man sich nicht schämen

Eine Scheidenpilzinfektion ist kein Anzeichen mangelnder Hygiene, d.h. man erkrankt nicht an Scheidenpilz, weil man sich nicht richtig wäscht. Im Gegenteil: Wenn die Reinigung des Intimbereichs übertreiben wird, gerät die natürliche Scheidenflora aus dem Gleichgewicht und das Risiko eine Pilzinfektion zu erleiden steigt. Insbesondere parfüm- und seifenhaltige Waschlotionen können die Mikroflora der Scheide angreifen. Falls Ihre Tochter schon älter und sexuell aufgeklärt ist, können Sie auch erklären, dass Scheidenpilz keine Geschlechtskrankheit ist. Geschlechtsverkehr spielt bei der Ansteckung eine sehr untergeordnete Rolle. Viele Frauen entwickeln eine Pilzinfektion auch ohne Sexualkontakte.

3. Scheidenpilz – eine häufige Erkrankung

Ungefähr drei Viertel aller Frauen erkranken mindestens einmal im Leben an Scheidenpilz. Jede fünfte Frau erlebt sogar mehrere Infektionen im Jahr. Damit zählt Scheidenpilz zu den häufigsten gynäkologischen Krankheiten überhaupt. Somit kann wirklich jede Frau betroffen sein, möglicherweise auch schon im Kindesalter.

4. Scheidenpilz – unangenehm, aber nicht gefährlich

Obwohl eine Scheidenpilzinfektion äußerst unangenehm ist, handelt es sich dabei um keine gefährliche Erkrankung. Sie müssen nicht besorgt sein, denn es gibt heute sehr gut wirksame Medikamente zur Behandlung von vaginalen Pilzinfektionen, die innerhalb weniger Tage zu einer Linderung der Beschwerden führen.

5. Wie wird Scheidenpilz behandelt?

Es gibt spezielle Medikamente, die die übermäßige Ausbreitung der Pilzerreger hemmen. Sie bewirken, dass sich die Hefepilze nicht mehr vermehren können. Innerhalb weniger Tage klingt so in der Regel die Infektion wieder ab. Bevor jedoch mit der Behandlung begonnen wird sollten sie mit ihrem Kind einen Arzt aufsuchen um andere Erkrankungen auszuschließen. Bei Kindern reicht meist die Anwendung einer Creme im äußeren Genitalbereich. Sofern Ihre Tochter alt genug ist, kann sie die Creme auch selbstständig auftragen.

6. Wie kann man erneute Infektionen vermeiden?

Folgende vorbeugende Maßnahmen können Ihrer Tochter helfen, zukünftige Scheidenpilzinfektionen zu vermeiden:

  • Nasse Badebekleidung sofort nach dem Baden wechseln
  • bei starkem Schwitzen frische Unterwäsche anziehen
  • Unterwäsche aus Baumwolle statt aus synthetischen Materialien tragen

Dadurch kann sowohl das feucht-warme Klima, in dem sich die Pilze besonders wohlfühlen, vermieden als auch der Kontakt mit fremden Erregern reduziert werden.

 

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